Julian Schwokowsky Oben

We do nothing to create making.  Interview with painter Julian Schwokowsky

Dirk Dobiéy Insights, Interview 0 Comments

German version below / Deutsche Version unten

Based in Berlin Julian Schwokowsky is an artist who pays special attention to his gut feeling. This approach takes place directly from the beginning of his working process. “In my opinion I can learn from every person that I meet. It might be the kebab seller or a child. That describes pretty much my attitude in this world: I consider everybody as a possible role model. It is about a general curiosity that you can find especially in children. It can take place already when you decide to go another way home than usual, just to see how it looks like. Everything can be an inspiration in some way.”

It’s clear that he cannot implement every of his impressions or ideas. This is why he is confronted frequently with hard decisions which he takes intuitively. “David Lynch said once that those ideas you fall in love with are really special ideas. It’s a thing of gut feeling and then you will know what to do now right away. This is the difficulty: It’s possible that you have five or six ideas at the same time and they might be likewise great from a rational or functional point of view. But then you will decide just for one of them. It’s about an inner certainty.”

For Schwokowsky it’s not so important to teach the people or to present them something what is unambiguous. “Rather art means to me to release the people from their top-top-heavyness. My attitude is that art is something where you can turn off your head. At first you just have a look, even if you don’t understand it instantly. Maybe there is a visual stimulus and you find it interesting. Then you go further and here is the point where you leave the everyday thinking.” He lets the material often speak in its favour in order to generate emotions or irritations in the viewer. “Definitely there are two fields at my work. On some of my printings one can see a large and colorful canvas. I approach it because I feel interested in it. Then I go closer to have a look what happens precisely in this picture. Maybe I don’t understand it perfectly and I cannot arrange it in order. Those two things I find really interesting: First to let the material work by his own and after that there is the process, where  something happens that one cannot define in a clear way. For me that is the moment where art is happening.”

Another important topic to Schwokowsky are free spaces. This is his method to enter the artistic process. “As it is generally known time is an important factor in art. You need a temporary free space in order to work artistically. The best ideas come when you don’t force the ideas to come.” In his opinion this subject should be high valued also in economy. “I like the imagination of a company that gives free spaces to the employee so that they can work on their own projects. This goes hand in hand with the awareness that the best ideas appear while walking or taking a shower. Ideas don’t appear at the desk where you treat yourself to be creative. We create free spaces or rather we don’t do anything in order to create doing. Phases of recovering are very important. Certainly we are no computers that can work without breaks. To deal with the time in a different way is essential. You need those possibilities where you can break out of the calculating environment.” Schwokowsky says that this break of routine and the creating of free spaces can already happen through apparently banal arrangements. “I look for things where I identify myself as a total different person. For example I just started to train Kung Fu – a physical art that is is also sort of thinking.”

Read the full interview with Julian Schwokowsky here (German only).

German Version / Deutsche Version

“Wir tun nichts, um Tun zu schaffen”. Der Maler Julian Schwokowsky verrät im Gespräch, warum Freiräume essentiell für die Kunst sind

 

Portraet_Julian_skaliertJulian Schwokowsky

Der in Berlin lebende Julian Schwokowsky ist ein Künstler, der vor allem auf sein Bauchgefühl hört. Diese Einstellung entfaltet sich bereits zu Beginn seiner Schaffensprozesse: “Ich bin der Meinung, dass ich von jeder Person lernen kann der ich begegne. Das kann der Dönermann oder ein Kind sein. Das beschreibt so ziemlich meine Haltung gegenüber der Welt: Jeden erst mal als potenzielles Vorbild sehen, von dem ich mir was abschauen könnte, gerade auch bei Kindern was das Künstlerische angeht. […] Es geht um diese grundlegende Neugier. Die fängt schon an, wenn ich mich bewusst dafür entscheide mal einen anderen Weg nach Hause zu fahren, um zu schauen wie der aussieht. Alles kann irgendwie eine Inspiration sein.” Es ist klar, dass er dabei nicht jede seiner Eindrücke oder Ideen vollends verwerten kann. Darum steht er oft vor schwierigen Entscheidungen, die er vor allem intuitiv trifft: “David Lynch sagte mal, er müsse sich verlieben und dann ist es richtig. Das ist eine Sache des Bauchgefühls und dann weiß man genau, was man umsetzen muss. Das ist das Schwierige daran: Wenn man fünf oder sechs Ideen parallel hat, die auf rationaler bzw. funktionaler Ebene ähnlich gut sein könnten und dann entscheidet man sich für das Eine. Das hat was mit innerer Gewissheit zu tun.”

Bei der Ausarbeitung seiner Ideen kommt es dem Künstler nicht darauf an die Menschen zu belehren, oder ihnen etwas ganz Eindeutiges zu präsentieren: “Für mich ist Kunst eher etwas, das den Menschen aus seiner Verkopftheit befreien kann. […] Meine Haltung ist, dass Kunst etwas ist, bei dem man den Kopf erst mal ausschalten kann. Man schaut es sich erst einmal an, auch wenn man es nicht versteht. Da ist zum Ersten ein visueller Reiz und ich finde es interessant. Dann gehe ich weiter rein, verstehe es aber nicht und gehe an dieser Stelle über mein alltägliches Denken hinaus.” Dabei lässt er oft das Material für sich sprechen, um beim Betrachter Emotionen, oder auch Irritationen hervorzurufen: “Definitiv geht das über diese zwei Felder, das ist ein Ziel meiner Arbeit. Bei manchen meiner Arbeiten […] sieht man eine große farbige Fläche. Die spricht mich erst mal emotional an, es ist die Farbe auf die ich reagiere. Ich gehe darauf zu, weil es mich irgendwie interessiert. Dann gehe ich näher ran und schaue, was dort eigentlich dargestellt ist und was in diesem Bild passiert. Vielleicht verstehe ich es nicht ganz und kann es nicht einordnen. Diese zwei Dinge finde ich höchst interessant: Erstens das Material selber arbeiten zu lassen und anschließend der Prozess, in dem etwas stattfindet, das nicht stimmig einzuordnen ist. Das ist für mich der Moment, in dem die Kunst passiert.”

Ein weiteres wichtiges Thema bedeuten für ihn Freiräume, mithilfe derer er überhaupt erst in kreative Prozesse einsteigen kann. “Die Zeit ist generell für die Kunst bekanntlich ein wichtiger Faktor. Man braucht einen zeitlichen Freiraum, um künstlerisch arbeiten zu können. […] Die besten Ideen kommen dann, wenn man sie nicht herbeizwingt.” Das ist ein Thema, dem Schwokowsky auch im Hinblick auf die Wirtschaft einen hohen Stellenwert beimisst: “Ich mag die Vorstellung eines Unternehmens, das seinen Mitarbeitern bewusst Freiräume gibt, um an eigenen Projekten zu arbeiten, […] in dem Bewusstsein, dass die besten Ideen beim Waldspaziergang oder unter der Dusche kommen. Die kommen nicht am Schreibtisch, an dem man sich zwingt Lösungen zu finden und kreativ zu sein. Wir schaffen Freiräume oder tun sozusagen nichts, um Tun zu schaffen. Erholungsphasen sind äußerst wichtig. Wir sind schließlich keine Computer, die ohne Pause rechnen können. Anders mit Zeit umzugehen ist essentiell, andere Pausenregelungen und Möglichkeiten zu schaffen aus dem Kalkulierbaren auszubrechen.” Dieser Bruch mit der alltäglichen Routine und die Schaffung von Freiräumen kann der Meinung des Malers nach bereits durch zunächst banal erscheinende Maßnahmen gelingen. “Ich suche mir bewusst Dinge, bei denen ich mich als komplett andere Person identifiziere. Zum Beispiel habe ich jetzt angefangen Kung Fu zu machen – eine körperliche Kunst, die auch eine Art des Denkens ist.”

Lesen Sie das vollständige Interview mit Julian Schwokowsky hier.

KontaktJulian Schwokowsky – Kontakt

Blog Post by Benjamin Stromberg
Picture Source: Julian Schwokowsky – Courtesy of the artist.

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