Sebastian Terfloth Semperoper at Night

“Those who work professionally, need criticism.” Ingolf Huhn about feedback and leadership

Dirk Dobiéy Insights, Interview 0 Comments

Deutsche Version folgt unten / for German version please scroll down

Theater director Ingolf Huhn knows the requirements for modern leaders from his personal experience. The function of the director combines and contains multiple responsibilities: economic, organizational, and especially artistic. But how do you create a trusting culture of feedback when you are solely responsible? “Those who work professionally, need criticism. They need criticism in terms of feedback. That’s the only way it works. For me it is difficult to get honest feedback by the ensemble. Due to my position, people are more cautious with me. I have to tease out the feedback much more. I must encourage the actors to say what they think.” Criticism is not always easy to formulate, particularly for personal artistic work. You have to keep it strict and avoid a laissez-faire attitude. You have the responsibility to ensure that there is a result.” In the theater business, various leadership styles can lead to productive results. Huhn prefers a collaborative approach, “I develop the piece together with the cast. There are directors who handle it like in a puppet theatre. They say you go from left to right and make this gesture. But there are also those who attempt to develop their approach based on the vigour of the actors. This is a question of age. Nevertheless, I know what I want. I know what the picture should look like.”

Different artistic personalities with their own ideas who work together is blessing and curse at the same time, “Each actor has their own idea of the score. And it must indeed become their own. It does not make a lot of sense to train the actors do something they do not want.” It is the goal not only to practice the piece but to become one with it. To allow new perspectives, “I depend on people wanting the same thing as I and that we do it together. But sometimes a change of perspective is necessary. The performers on stage can´t see what I see and therefore they may not understand my idea.” Ingolf Huhn discovered his feelings for the theater scene early and those feelings have not abated to this day, “Music has such emotional power. I had this feeling even as a small child. I went to operas and operettas and was completely shaken, filled with what I felt. If you are a part of it, then it is even stronger. This is an emotional process, as if one falls in love, where you also cannot really ask why it happened. I knew it would be the ultimate dream if opera and musical theater could be my profession.” After his studies and numerous professional positions, the long-standing practice is an important point in Huhn’s theatrical career. Exercise leading to mastery started under the guidance of Ruth Berghaus, “Master classes are a great invention from the Renaissance. Dürer and Cranach have given workshops where their students painted the same way as Dürer and Cranach and thereby learned something.” Experience is the key to success, “In the beginning, when I was young, I was an assistant director. When I made my first productions I was almost overwhelmed by the power that came with the profession. I am the one who says, that’s what it is going to be. You are solely responsible. “

Since 2010, Ingolf Huhn has been the Managing Director of the Eduard-Winterstein Theatre in Annaberg-Buchholz. Despite the multiple challenges of being a director he has never lost his artistic ideal, “You can feel whether theater directors are being honest. Honestly searching. What we’re doing on stage is not about providing answers. For example on the question of the meaning of everything. We are not telling the audience, we know the answer, here it is. The trick is to rephrase the question so that it makes sense to follow up on it.”

Please access the full interview here (German only)

„Wer professionell arbeitet, braucht Kritik.” Ingolf Huhn über Feedback und Führungspositionen in der Kunst.

Theaterregisseur Ingolf Huhn kennt die Anforderungen an moderne Führungspersönlichkeiten aus eigener Erfahrung, denn in der Funktion des Intendanten laufen mehrere Verantwortungsbereiche zusammen: Wirtschaftlicher, organisatorischer und vor allem künstlerischer Natur. Doch wie lässt sich als Alleinverantwortlicher trotzdem eine vertrauensvolle Feedbackkultur schaffen? „Wer professionell arbeitet, braucht Kritik. Kritik im Sinne von Rückkopplung. Es geht nur so.“ Gerade als leitende Person ist es dabei oft schwer, ehrliche Kritik vom Ensemble zu bekommen: „Das generiert natürlich, dass die Leute viel vorsichtiger mit mir sind. Ich muss das Feedback viel mehr herauskitzeln. Ich muss die Darsteller ermutigen zu sagen was sie denken.“ Trotzdem ist Kritik nicht immer leicht zu formulieren, gerade zur persönlichen künstlerischen Arbeit. Es ist eine Herausforderung, den Bedürfnissen und den vielfältigen Aufgaben des Regisseurs gerecht zu werden: „Man muss aber tatsächlich aufpassen, dass es streng genug zugeht, damit es nicht in ein Laissez-faire rutscht. Man hat die Verantwortung dafür, dass es nachher wirklich ein Ergebnis gibt.“ Es haben sich verschiedene Führungsstile im Theaterbetrieb als fruchtbringend erwiesen. Der gebürtige Magdeburger geht jedoch einen kollaborativen Weg: „Das finde ich mit den Darstellern gemeinsam. Es gibt Regisseure die machen das marionettentheaterhaft. Die sagen, du gehst von links nach rechts und machst diese Handbewegung. Aber es gibt auch welche, die versuchen, es aus der Kraft der Darsteller heraus zu finden. Das ist eine Frage des Alters. Ich bin mehr darstellerorientiert. Trotzdem weiß ich schon wo ich hin will. Ich weiß wie das Bild aussehen soll.” Das dabei zahlreiche künstlerische Persönlichkeiten mit eigenen Vorstellungen aufeinander treffen, ist Fluch und Segen zugleich: „Jeder Darsteller hat eine andere Vorstellungen von der Partitur. Und es muss ja auch deren Eigenes werden. Es hat wenig Sinn, den Darstellern etwas anzutrainieren, was sie gar nicht wollen.“ Eins werden mit dem Stück, etwas nicht nur einzuüben, sondern sich darauf einzulassen. Und auch neue Blickwinkel zuzulassen: „Ich bin schon sehr darauf angewiesen, dass die Leute dasselbe wollen wie ich und auch dass wir was gemeinsam machen. Wenn es anders läuft, dann ist es sehr mühsam. Aber manchmal ist auch ein Perspektivwechsel notwendig. Die Darsteller sehen auf der Bühne ja nicht das was ich sehe und verstehen deshalb meine Idee vielleicht nicht.“ Ingolf Huhn entdeckte seine Gefühle für die Theaterlandschaft schon früh, Gefühle die bis heute nicht nachgelassen haben: „Musik hat eine so emotionale Kraft. Ich habe das schon als kleineres Kind gehabt. Ich bin in Opern und Operetten gegangen und war hinterher vollständig aufgewühlt, erfüllt von dem was ich empfunden habe. Wenn man Teil des Ganzen ist, dann ergreift es einen noch viel mehr. Das ist ein emotionaler Vorgang, so als ob man sich in einen Menschen verliebt, da kann man auch nicht fragen warum. Ich wusste, dass es das Höchste wäre, wenn Oper und Musiktheater mein Beruf wären.“ Nach Studium und zahlreichen beruflichen Stationen ist vor allem die langjährige Übung ein wichtiger Punkt in Huhns Theaterlaufbahn. Übung, die zum Meister macht. Begonnen unter der Anleitung Ruth Berghaus´: „Die Meisterschüler-Institution ist eine tolle Einrichtung, die kommt aus der Renaissance. Dürer oder Cranach haben Werkstätten gehabt, wo ihre Schüler erst mal so taten als würden sie wie Dürer oder Cranach malen und dabei was lernten.“ Und auch in der Praxis erwies sich Erfahrung als Erfolgsfaktor: „Am Anfang, als ich Regisseur wurde, habe ich viel als Regieassistent von großen Regisseuren gearbeitet. Als ich die ersten Inszenierungen dann machte wurde ich fast erschlagen von der Machtfülle des Berufes: Man ist derjenige der sagt: „so wird es“. Man bekommt relativ schnell raus, dass das damit korrespondiert, dann auch allein verantwortlich zu sein.”

Seit 2010 leitet er als Geschäftsführender Intendant das Eduard-von-Winterstein-Theater in Annaberg-Buchholz. Trotz der Mehrfachbelastung als Intendant hat Huhn sein künstlerisches Ideal nie aus den Augen verloren: Man spürt auch relativ schnell, ob die Leute ehrlich sind. Ehrlich suchend. Das, was wir da auf der Bühne machen, ist ja nicht Antworten geben. So etwas Großes wie die Sinnfrage: das bedeutet nicht, dass wir uns hinstellen und dem Publikum sagen, wir wissen wie das ist und erklären euch das jetzt. Es ist unsere Aufgabe die richtigen Fragen zu formulieren, so dass es einen Sinn hat sie weiterzutragen.

Das vollständige Interview lesen Sie hier.

 


Picture Source: Sebastian Terfloth, Semperoper at night via Wikimedia Commons

Facebooktwittergoogle_pluspinterestlinkedintumblrmailFacebooktwittergoogle_pluspinterestlinkedintumblrmail

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *